Zinskommentar Februar 2020 – Bauzinsen sinken wieder und EZB-Präsidentin erwartet von Euro-Staaten mehr Reformen

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter Mario Draghi nach acht Jahren der expansiven Geldpolitik nahezu ihren gesamten Instrumentenkasten ausgereizt. So liegt der Leitzins seit vier Jahren bei null Prozent und der „Strafzins“ für Banken seit mehreren Monaten bei -0,5 Prozent. Darüber hinaus, hat die EZB mittlerweile Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von fast 3 Billionen Euro aufgekauft. Sollte es jetzt zu einer Rezession kommen, so hat die Europäische Zentralbank (EZB) daher nur noch beschränkte Möglichkeiten, der Konjunktur geldpolitisch unter die Arme zu greifen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde nimmt die Politik stärker in die Pflicht
Während Mario Draghi bis zuletzt die Handlungsfähigkeit der EZB verteidigte, so betont Christine Lagarde bereits nach 3 Monaten Amtszeit auch die negativen Langzeitfolgen der lockeren Geldpolitik und erhöht den Druck auf die Politik. Denn die nationalen Regierungen der Euro-Staaten müssten die niedrigen Zinsen nutzen, um mit konsequenten Reformen die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Auch andere Experten sehen politische Maßnahmen ebenfalls für unerlässlich an. Allerdings muss leider bezweifelt werden, dass die Forderungen von Christine Lagarde bei den verantwortlichen Politikern Gehör finden werden. Man kann davon ausgehen, dass Christine Lagarde die Euro-Nationalstaaten mit mehr Vehemenz und in kürzeren Abständen zu Reformen auffordern wird als ihr Vorgänger Mario Draghi. Die Regierungen werden sich davon leider nicht so schnell beeindrucken lassen, solange von der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Konsequenzen ausgehen.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre

Betrachtet man Deutschland, so wären die von Christine Lagarde geforderten Strukturreformen durchaus dringend notwendig. Denn der deutsche Wirtschaftsmotor geriet im vergangenen Jahr 2019 deutlich ins Stottern. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im gesamten Jahr gerade einmal um 0,6 Prozent zu und befindet sich damit auf dem Niveau von 2013, als die Griechenland-Krise ihre Auswirkungen hinterließ. Die deutsche Konjunktur ist langfristig durch die fehlenden Reformen gefährdet. Denn die deutsche Regierung hat in den letzten Jahren viel zu wenig in Infrastruktur, Bildung und Digitalisierung investiert. Dadurch werden uns andere EU-Staaten beim Wachstumstempo überholen.

Alte und neue Marktrisiken und deren Auswirkungen für die Weltwirtschaft
Für das Jahr 2020 sind die Wirtschaftsprognosen etwas besser ausgefallen als für das vergangene Jahr. Zu verdanken ist dies hauptsächlich zum einen dem Teilabkommen im Handelsstreit zwischen den USA und China und zum anderen der abnehmenden Unsicherheit durch einen harten Brexit. Die anstehenden Verhandlungen für ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien werden für beide Seiten nicht einfach werden. Aus heutiger Sicht sind keine großen Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu erwarten. Experten gehen davon aus, dass es bis zum Ende diesen Jahres maximal eine Teileinigung erreicht werden kann und die Verhandlungen auch im Jahr 2021 weitergehen werden. Auch wenn Boris Johnson derzeit auf ein Verhandlungsendergebnis zum 31. Dezember 2020 pocht, kann man davon ausgehen, dass das Brexit-Thema den Finanzmarkt über die Zeit immer weniger belasten wird. Denn auch der britischen Regierung ist bewusst, dass ein harter Brexit für Großbritannien ebenfalls enorme negative wirtschaftliche Folgen haben würde.

Zu den bekannten Unsicherheiten an den Finanzmärkten hat sich derzeit ein neues und noch wenig berechenbares Risiko hinzugefügt: das Coronavirus. An den Folgen des in China ausgebrochenen Coronavirus sind bisher ca. 2.760 Menschen weltweit gestorben und die Anzahl der bestätigten Infektionen liegt bei ca. 78.160 in China und ca. 2.950 im Rest der Welt (Stand: 24.02.2020). Über die weitere Ausbreitung und Entwicklung des Virus, sowie die Auswirkungen auf die globale Konjunktur, kann aktuell keine eindeutige Meinung abgegeben werden. Fest steht auf jeden Fall, dass die globale Konjunktur darunter leiden wird. Nicht ohne Grund, hat die chinesische Zentralbank bereits massiv interveniert und mehr als 270 Milliarden Euro in die Wirtschaft gepumpt. Deshalb kann man einen Wachstumseinbruch der chinesischen Wirtschaft im 1. Quartal 2020 erwarten. Da sich der Coronavirus nun auch über China hinaus stärker ausbreitet als erwartet, wird es auch einen nicht unerheblichen Bremseffekt auf die Weltwirtschaft geben. Mehrere Notenbanken, wie die japanische Bank of Japan (BoJ), die amerikanische Federal Reserve System (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben bereits mitgeteilt, das Coronavirus und dessen Auswirkungen genau zu beobachten und gegebenenfalls mit Geldpolitischen Mitteln zu reagieren.

US-Vorwahl: Republikaner haben Donald Trump und die Demokraten suchen noch ihren Kandidaten
Trotz des Teilabkommens im Handelsstreit zwischen den USA und China, bleibt die protektionistische Haltung von Donald Trump für die Weltwirtschaft weiter eine Belastung. Europas Hoffnungen ruhen daher auf einen starken demokratischen Kandidaten, der Donald Trump im November 2020 als Präsidenten ablösen könnte. Welchen Kandidaten die Demokraten ins Rennen schicken, dürfte sich in den nächsten Tagen am sogenannten Super Tuesday entscheiden. Am 3. März 2020 wählen zahlreiche US-Staaten wie beispielsweise Kalifornien, Minnesota und Texas gleichzeitig. Dadurch werden ganze 1.357 der insgesamt 3.979 Delegiertenstimmen vergeben.

Experten gehen davon aus, dass der demokratische Kandidat Michael Bloomberg die besten Chancen gegen Donald Trump hätte. Obwohl Bernie Sanders sicher zu den aussichtsreicheren Demokraten gehört, vertritt er jedoch extreme Gegenpositionen zu Donald Trump. Der Milliardär Michael Bloomberg ist dagegen deutlich gemäßigter und besitzt daher bessere Chancen, bisherige Trump-Wähler für sich zu gewinnen. Für Europa wäre Michael Bloomberg damit wohl der Wunschkandidat. Die zunehmend protektionistische Ausrichtung der USA wird jedoch auch ein anderer US-Präsident nicht völlig zurück drehen können. Denn die Amerikaner sehen auch die Erfolge von Donald Trumps protektionistischer Haltung und wie er sich beispielsweise der aufstrebenden Großmacht China entgegen stellt und amerikanische Innovationen schützt. Deshalb müssen sich Europa und der Rest der Welt grundsätzlich darauf einstellen, dass es nicht mehr so wird, wie es einmal war.

Bei den Bauzinsen geht es wieder abwärts
Seit Ende Januar 2020 sinken bereits die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als auch die Bauzinsen. Der Durchschnittszins für ein Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung liegt aktuell bei 0,66 Prozent und ist damit nicht mehr allzu weit vom absoluten Tiefstand im September 2019 entfernt. Derzeit kann man davon ausgehen, dass sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten viel bewegen werden. Denn solange die Konjunktur sich nicht nachhaltig positiv entwickelt, wird an der aktuellen Zinssituation keine große Änderung geben. Der derzeitige Rückgang der Bauzinsen liegt allerdings nicht nur an der Konjunkturschwäche, sondern auch am aktuell starken Wettbewerb zwischen den Banken. Da auch geldpolitische Maßnahmen der Zentralbanken wegen des Coronavirus im Raum stehen, kann man ein neues Rekordtief in diesem Jahr nicht auszuschließen.

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Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: schwankend fallend
mittelfristig: schwankend seitwärts
langfristig: schwankend steigend

Entwicklung Leitzins, 10-jährige Bundesanleihe und Inflation der letzten fünf Jahre

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