Zinskommentar April 2012 – EZB belässt die Zinsen bei 1 Prozent

Im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen und in den Fernsehnachrichten spiegelt sich oftmals die Unsicherheit wider, ob denn die Konjunktur anzieht oder ob es vielmehr zu noch größeren Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft kommt. Auch die Fachleute in der EZB teilen diese Konjunktursorgen und haben sich anlässlich ihrer turnusmäßigen Sitzung zu einer Beibehaltung des Leitzinses auf dem niedrigen Wert von 1 % entschieden – was im langjährigen Vergleich sehr niedrig ist. Der EZB Präsident Mario Draghi äußerte seine Sorgen über die Konjunktur und möchte die Wirtschaft nicht durch zu hohe Zinszahlungen belasten. Die Bedeutung für die vergleichsweise stabilen Volkswirtschaften in Kerneuropa ist enorm: Trot sehr guter Konjunktur und einem Wachstum der Unternehmen können diese sehr günstig Kredite aufnehmen und damit Investitionen günstig finanzieren. Wenn Sie sich die Auswirkungen jeder Zinsveränderung ansehen, dann bekommen Sie einen sehr guten Eindruck von der Zwickmühle, in der sich die EZB befindet.

Zu wenig Zinsen heizen die Inflation an – zu hohe Zinsen würgen ab
Dies ist ein klassischer Zielkonflikt, den auch schon die alte Bundesbank zu D-Mark Zeiten berücksichtigen musste. Die Notenbank (also die EZB oder die Deutsche Bundesbank) verfolgt neben dem Ziel der Geldwertstabilität auch das Ziel der Bereitstellung von Geld zu günstigen Zinsen. Sind die Zinsen jetzt extrem niedrig, so könnte sich die Geldnachfrage und Geldmenge bei gleichen vorhandenen, produzierten Produkten praktisch enorm ausweiten. Inflation wäre die Folge. Sind die Zinsen zu hoch, dann können sich nur noch Unternehmen in den vergleichsweise starken Ländern Europas diese hohen Zinsen leisten und es entsteht mehr und mehr ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Also ist jede Zinsveränderung gewissermaßen ein Kompromiss und Ergebnis einer Abwägung, für den sich die Bank viel Zeit nimmt. Da der Leitzins eine gewisse Orientierungsfunktion auch für zu bezahlende Zinsen hat, sollten alle Immobilienkäufer einen genauen Blick auf die in der Zukunft möglichen Szenarien werfen.

Inflation beendet fast automatisch die Niedrigzinsphase
Die Marktbeobachter können zwar für den Anstieg der Zinsen keinen genauen und exakten Zeitpunkt angeben, dennoch sind sich beinahe alle in der Tendenz einig: Die steigende Geldmenge und Niedrigzinsphase führt zu einer Überhitzung der Geldnachfrage. In der Folge wird es zu Inflation kommen, die seitens der Zentralbank bekämpft werden muss. Also wird es unausweichlich zu einer Zinserhöhung kommen. Problematisch ist dies weniger für Privatkunden, die eine Wohnungseinrichtung oder ein Auto finanzieren – denn dieses ist nach wenigen Jahren abbezahlt. Bei einem Immobilienkredit schlägt sich aber jede Zinserhöhung in einer erheblich verlängerten Abzahlungsphase und/oder höheren Kosten nieder. Deshalb sollten alle diejenigen, die eine Baufinanzierung abschließen möchten die Entwicklung im Auge behalten. Und möglichst bald abschließen anstatt diese historische Chance unwiderruflich zu verpassen.

Zins-Tendenz
Kurzfristig: seitwärts
Mittelfristig: seitwärts

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