Zinskommentar Mai 2018 – Regierungsbildung in Italien bestimmt die Finanzmärkte und die Auswirkung auf die Bauzinsen

baufinanzierung marktlage

In Italien sorgen wieder politische Ereignisse für Aufregung, die weltweit an den Finanzmärkten für Verunsicherung sorgen. Bis vor kurzem sah es noch ganz danach aus, dass die zwei populistischen Parteien Lega Nord und 5-Sterne-Bewegung vom rechten und linken Rand des politischen Spektrums in Italien eine neue Regierung bilden. Der italienische Präsident Sergio Mattarella hat der Koalition jedoch eine Absage erteilt, denn er lehnte den eurokritischen Paolo Savona als Finanzminister ab. Stattdessen vergab er den Auftrag zur Regierungsbildung an den Wirtschaftsexperten Carlo Cottarelli, der über ausreichend Erfahrungen aus seiner Tätigkeit beim Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügt. Die Folgen an den Finanzmärkten waren beispielsweise ein Renditeeinbruch bei den deutschen Bundesanleihen und die Abschwächung des Euro.

Stimmen über einen möglichen „Italexit“ werden lauter
An den Finanzmärkten sorgten die italienischen Entwicklungen für Nervosität. Dies führte dazu, dass Anleger aus italienischen Anleihen flüchteten, wodurch die Renditen italienischer Papiere auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren stiegen. Durch die Berufung von Carlo Cottarelli versuchte der italienische Präsident Ruhe in die Politik und auch in die Finanzmärkte zu bringen. Der Erfolg blieb jedoch aus, denn durch die Mehrheit von Lega Nord, der Fünf-Sterne-Bewegung und der Partito Democratico hat Carlo Cottarelli keinen Rückhalt im Parlament, was nun zu Neuwahlen führen kann. Auf politische Entwicklungen reagieren die Zinsen meist nur kurzfristig, denn für die langfristige Entwicklung haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen weit größeren Einfluss. Für Europa sind diese derzeit in einer guten Verfassung. Auch wenn das italienische Chaos dazu führen wird, dass die rechtspopulistische und europakritische Lega Nord weiter erstarken wird, sieht es nicht danach aus, dass eine Eurokrise wegen einer neuen Regierung in Italien zurückkehren wird.

Eine solche euro- bzw. europaskeptische Regierung wird die Reduzierung der italienischen Staatsverschuldung sicher nicht als Kernziel ausrufen, sondern für das Gegenteil sorgen. Allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass in Italien in den letzten 72 Jahren eine Regierung nur etwas mehr als ein Jahr im Amt blieb. Damit wird schnell deutlich, dass es Fragwürdig ist, dass Italiens nächste Regierung nachhaltige Fußspuren in der Geschichte des Landes hinterlassen wird. Da politische Börsen eher eine kurzfristige Auswirkung haben, wird das Thema auch wieder in den Hintergrund rücken und die Finanzmärkte und damit die Zinsen sich wieder beruhigen.

Zinsentwicklung über ein Jahr

Sind Auswirkungen auf der Kurs der EZB und Fed zu erwarten?
Ob und wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf die Ereignisse in Italien reagiert, muss abgewartet werden, denn die nächste Sitzung ist erst für Mitte Juni terminiert. Ein mögliches Szenario aus heutiger Sicht kann sein, dass die EZB aufgrund der unruhigen Lage in Italien die Entwicklungen erstmal beobachten und abwartend reagieren wird. Konkret würde dies bedeuten, dass die EZB weiterhin darauf verzichtet, die derzeitige expansive Geldpolitik zurückzudrehen. Auch ist die Inflationszielmarke von zwei Prozent noch nicht erreicht, denn die Kerninflation im Euro-Währungsraum sank im April auf 0,7 Prozent. Deshalb besteht für die EZB weiter keinen Druck, die Zinsen zu erhöhen.

In den USA hingegen liegt ein anderes wirtschaftliches Umfeld als in Europa vor. Hier wird die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) in diesem Jahr den Leitzins voraussichtlich drei Mal leicht erhöhen. Die Finanzmärkte haben diese Entwicklung jedoch bereits eingepreist und auch ein, wenn notwendig werdender zusätzlicher vierter Zinsschritt wird die amerikanische Konjunktur verkraften. Denn die von Präsident Donald Trump auf den Weg gebrachten Steuererleichterungen werden die Wirtschaftslage weiter antreiben, auch wenn sich ihre Auswirkungen jedoch erst langsam entfalten.

Bei den Baufinanzierungszinsen geht es kurzfristig leicht nach unten
In den letzten Wochen gaben die Baufinanzierungszinsen weiter leicht nach. Durch die Entwicklung in Italien haben deutsche Bundesanleihen an Attraktivität gewonnen und ihre Rendite geht daher zurück. Deshalb werden kurzfristig die Baufinanzierungszinsen im Marktdurchschnitt weiter etwas nach unten gehen. Deshalb kann es für Anschlussfinanzierer durchaus sinnvoll sein den Markt vor einer Verlängerung zu beobachten.

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Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: leicht fallend
langfristig: steigend

Entwicklung Leitzins und Inflation

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